Impuls am Sonntag

Nach wie vor fällt in der Corona-Krise unser ökumenischer Gottesdienst sonntags aus. Stattdessen finden Sie hier wöchentlich einen neuen SonntagsImpuls.

 

Pfingstgemeinschaft trotz Abstandsregeln

 

Überall auf der Welt wissen sich Menschen verbunden durch Gott, eins in dem Herrn und eins in dem Geist. Corona - Zeiten lehrten uns die Sehnsucht, dies auch wieder leibhaftig spüren zu dürfen. Nichts anderes ist Pfingsten, nämlich das Fest der Gemeinschaft, das wir am kommenden Sonntag feiern. 

 

Wir erlebten oder sahen im Fernsehen Häuserblocks, wo Menschen auf ihren Balkonen vereinzelt, trotzdem gemeinsam sangen, Gymnastik machten oder musizierten. Heute möchte ich Ihren Blick mit mir auf ein Fenster richten, aus dem jemand herausschaut. 

Da ist einer, zu dem man aufsehen muss. Einfach deshalb, weil er so hoch oben in unserer Straße wohnt. Fast unterm Dach, dort, wo die winzigen Zimmer liegen, die sie damals im Krieg abgeteilt haben für die Flüchtlinge. Man muss zu ihm aufsehen. Er selbst schaut über andere hinweg. 

 

Als ob er Angst hätte, verschlungen zu werden von Einsamkeit? Lärm? Krankheitserregern? Bestimmungen? Von fremden Augen, Mündern, Worten. 

 

Man muss zu ihm aufsehen. Warum eigentlich? 
Er sollte zu uns aufsehen, zu dem, was wir zustande gebracht haben in unserer Stadt, in unserem Land: 
Ein funktionierendes Gemeinwesen, eine bisher florierende Wirtschaft, ein fest geknüpftes soziales Netz. 

Trotzdem ist hier bei uns nicht das Paradies auf Erden. Hier kann man auch abstürzen! 

 

Doch er sieht so aus, als hätte er das längst gemerkt.
Man muss zu ihm aufsehen. Vielleicht hat man das bei ihm zu Hause auch getan. Vielleicht war er einer, dem man vertraute, einer, den man liebte, einer dessen Mut man bewunderte, weil er sich weigerte aufzusehen nur weil es so befohlen wurde. 

 

Und jetzt soll er herabsehen, herunterkommen, 
teilnehmen an unserem Leben, unseren Auflagen, 
einer unter vielen und doch allein und fremd. 

Schwierig, den Blickwinkel zu verändern 
vom Aufsehen ins Hinunterschauen und umgekehrt. 
Einen Anfang hat er gemacht: Die Fensterläden stehen weit offen, auch ein Fensterflügel. Im Blumenkasten vor seinem Fenster wächst junges Grün, ein bisschen schüchtern, aber immerhin. 

 

Sein Blick aber ist verschlossen. Seine Hand sucht Halt - 
Vielleicht wird er das Fenster wieder verschließen vor den unwägbaren Aussichten? 

Schwierig, so ein Blickwechsel. Für den anderen. Für mich. 


Mein Nacken schmerzt vom Aufsehen. Ihn schwindelt vielleicht der Blick aus dem Fenster. 

 

Aber Nähe wagen, Distanzregeln hin oder her, den Versuch ist es wert:

Andere Blickwinkel versuchen. Einfach so. Angstfrei. 
Mal aufsehen zu denen, auf die wir herabsehen, 
weil sie klein sind, fremd, unvertraut, gebrandmarkt, ausgestoßen. 

 

Tatsächlich brauche ich ja keine Angst zu haben, mich klein zu machen. Gleichsam in die Hocke zu gehen, so wie ich das tue um einem Kind in die Augen sehen zu können  und die Welt mit seinen Augen zu sehen. 

Seien wir gespannt. 

 

Denn da können unscheinbare Zwerge zu unübersehbaren Riesen werden, und kleine Probleme zu unüberwindbaren Hindernissen; Selbstverständlichkeiten zu Geheimnissen,
über die so mancher sich schon lange nicht mehr gewundert hat. 

 

Ein Spiel, aber kein Kinderspiel. Kein neuer Normalzustand. 


Eher Pfingsten, wie es hier und da manchmal passieren wird und wie wir es herbei sehnen und herbei beten dürfen. 

 

Ihre Dorothé Kiel

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